Wahlkampf muss nicht nach Podium, Parteifahnen und langen Reden klingen. Das zeigte eine Veranstaltung am vergangenen Donnerstag im Gasthaus Bachmaier in Pesenlern. Im Vorfeld der Kommunalwahl am 8. März hatte die SPD zu einem Abend eingeladen, der bewusst „anders“ sein sollte – und genau das auch wurde: informativ, unterhaltsam, stellenweise pointiert und zugleich bemerkenswert nah an den Themen, die viele Bürgerinnen und Bürger aktuell bewegen. Im Mittelpunkt standen Bürgermeisterkandidat Michael Gruber und Marktrat Michael Paulini. Das Konzept war zweigeteilt: Zunächst ein Bürgerforum, in dem Fragen aus dem Publikum den Takt vorgaben. Danach folgte ein Quizabend, bei dem die beiden Michaels gegen die Gäste antraten – mit Fragen aus Trivial Pursuit und dem beliebten Spiel Klugscheißer. Die teils lustigen, teils kniffligen Quizfragen sorgten für eine gute Stimmung, was auch an den spontan agierenden Moderatoren Karl-Heinz Eppinger, Bürgermeister der Stadt Zwiesel (rund 9300 Einwohner, im Bayerischen Wald, mit 20 Räten und drei SPD-Mandaten plus dem Bürgermeisteramt durchaus vergleichbar mit Wartenberg), und Manfred Slawny, dritter Bürgermeister aus Taufkirchen, lag. Wie viel Gramm Cannabis darf man in Holland im Coffeeshop legal kaufen? In welchem James-Bond-Film trat das Bond-Girl May Day auf? In welchem Land gibt es pro Kopf die meisten Schönheitsoperationen? (Die Antworten lauten: 5 Gramm; „Im Angesicht des Todes“ (1985); in der Schweiz) Am Ende hatte das Publikum nicht nur den lauteren Jubel, sondern auch die bessere Trefferquote: 17:12 ging das Duell aus Sicht der Gäste aus. Gemeinsam hatte man zuvor die Gemeinde erkundet – von der Auerbacher Skischanze über das Gewerbegebiet, das Sportzentrum mit dem Trachtenstadl, das neue Baugebiet und am Schluß das Medienzentrum. So bekam der Abend neben dem Wahlkampfcharakter auch einen Austausch auf Augenhöhe: Was läuft gut? Wo hakt es? Welche Entscheidungen werden vor Ort in den kommenden Jahren wichtig sein? Ein Thema, das spürbar Gewicht hatte, war der Umgang mit politischer Unzufriedenheit – und damit auch die AfD. Zwiesel habe einen AfD-Anteil von rund 23 Prozent. Bürgermeister Eppinger ordnete das nüchtern ein: „So mancher wählt die AfD aus Protest.“ Gleichzeitig wurde deutlich: Weder in Zwiesel noch in Wartenberg reiche es für eine eigene Stadtrats- oder Marktratsliste der Partei. Aus dem Publikum kam die Frage, wie man die AfD „in Schach halten“ könne. Paulini blieb dabei bei einer klaren Linie, ohne sich in Empörung zu verlieren: „Vernünftige Politik ohne Populismus und Schreierei“ sei die Devise – und damit verbunden ein Appell an Sachlichkeit und Glaubwürdigkeit. Sehr konkret wurde es beim Thema Kinderbetreuung. Zuhörer Reinhard Schultz wollte wissen, warum die Kita-Gebühren ständig steigen – eine Frage, die vielen Eltern derzeit unter den Nägeln brennt. Paulini verwies auf Entscheidungen auf Landesebene: In Bayern seien Familien- und Krippengeld gestrichen worden, zudem sei das angekündigte Kinderstartgeld „nicht einmal gestartet“. Gruber legte nach – und traf dabei einen Nerv, weil er einen Widerspruch benannte, der oft unausgesprochen bleibt: „Und dennoch wird wieder die CSU angekreuzt – für mich ein kleiner Wahlschock.“ Der Satz wirkte weniger wie ein Angriff, sondern eher wie ein ehrlicher Moment politischer Verwunderung. Besonders lebendig wurde die Diskussion, als Zuhörer Franz Weiß die direkteste Frage des Abends stellte: „Warum soll ich euch wählen?“ Gruber antwortete zunächst mit einem Schwerpunkt, der in vielen Gemeinden über die Lebensqualität entscheidet: Vereine. Diese sollten – insbesondere dort, wo Kinder und Jugendliche eingebunden sind, noch stärker unterstützt werden. Wer Nachwuchs fördere, stärke nicht nur Sport und Ehrenamt, sondern auch Gemeinschaft, Integration und Zusammenhalt. Deutlich kritischer äußerte sich Gruber zum geplanten Gewerbegebiet in Thenn. „Alles zubetonieren und riesige Hallen hinstellen, nur um den Haushalt zu retten“ sei aus seiner Sicht der falsche Weg – eine klare Absage an Entwicklung um jeden Preis. Doch Weiß hakte nach. Es seien viele Punkte dabei, die man nicht wolle – aber wo seien die eigenen Visionen? Spätestens hier war man bei einem Thema, das Wartenberg wie viele Gemeinden in der Region stark beschäftigt: Wohnen. Paulini sprach den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum an. Gruber wurde beim Neubaugebiet Kleinfeld West konkret. Dort habe sich die Mehrheit im Gemeinderat für mehr Einzel- und Doppelhäuser ausgesprochen. Die SPD hätte sich dagegen mehr Bauen in die Höhe vorstellen können. Nicht aus Ideologie, sondern aus einer sozialen Realität heraus: Viele könnten sich ein eigenes Haus mit Garten schlicht nicht mehr leisten. Gruber formulierte es persönlich: Manche Kolleginnen und Kollegen könnten sich das leisten – er fühle sich jedoch besonders denjenigen verpflichtet, die es nicht können. Aus seiner Erfahrung als VdK-Ortsvorsitzender kenne er viele Fälle, in denen Menschen aus Wartenberg wegziehen, weil sie keine bezahlbaren Immobilien mehr finden. Auch das Thema betreutes Wohnen sprach er an – und differenzierte: Solche Projekte könnten sinnvoll sein, würden aber jungen Familien nicht helfen. Gleichzeitig betonte Gruber, die SPD werde dabei oft falsch verstanden: Man sei nicht „dagegen“, doch die aktuellen Mehrheiten sorgten häufig dafür, dass am Ende Entscheidungen getroffen würden, deren Folgen aus SPD-Sicht negativ sei. Ein Satz des Abends war zugleich ein politisches Versprechen: Gruber kritisierte, dass zu viele Themen im Gemeinderat nichtöffentlich diskutiert würden. Das solle sich ändern. „Das würde es bei mir als Bürgermeister nicht geben“, versicherte er. Es war ein Punkt, der im Saal spürbar Zustimmung auslöste – denn Transparenz ist für viele Bürgerinnen und Bürger längst zur Vertrauensfrage geworden. Gruber verwies zudem auf seine berufliche Erfahrung: Als Betriebsleiter bei verschiedenen Firmen wisse er, wie Personalführung funktioniere – und diese Kompetenz wolle er im Rathaus einbringen. Städtebaulich könne sich die SPD eine Neugestaltung des Marktplatzes vorstellen. Als Inspiration nannte man den „Plan“ in Moosburg – nicht als Blaupause, sondern als Beispiel, wie Ortskerne moderner und einladender gestaltet werden können. Auch wenn ein Teilnehmer am Ende noch nicht vollständig überzeugt schien, brachte ein Zwischenruf aus dem Publikum die Stimmung auf den Punkt: „Bist du denn mit dem Amtsinhaber zufrieden?“ Die Antwort kam kurz, deutlich und ohne Zögern: „Nein!“ Damit endete ein Abend, der mehr war als ein netter Wahlkampftermin. Er zeigte, dass Politik auch mit Humor und Nähe funktionieren kann – ohne sich um die wichtigen Themen zu drücken. Und er machte deutlich, wofür Gruber und Paulini stehen: mehr Transparenz, sozialer Blick auf Wohnen und Familien, kritische Haltung bei Flächenverbrauch – und eine Politik, die weniger laut sein will, aber dafür verbindlicher.